walltattoo - barbara vörös und andreas reichl

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Schaufenster/die Presse
Text: Robert Kopf

Die Wand lebt
Andreas Reichl und Barbara Vörös tätowieren Wände.Völlig
schmerzfrei mit dem Pinsel.

Im ersten Moment klingt es, als müsste Blut fließen: „Wir analysieren den Raum, tasten uns an die zweite Haut des Menschen heran, legen das Innerste nach außen“, erzählt Andreas Reichl. Beim zweiten Hinhören klingt die Sache schon weniger martialisch. Reichl und seine Partnerin Barbara Vörös tätowieren Wände. Und das tut ganz bestimmt nicht weh. Im Gegenteil. Das Prozedere der Tatöwierung ist ein gemächliches, zeitweise vielleicht sogar ein wenig esoterisches: „Bei einem Kennenlerntermin ist es uns wichtig, den Raum, um den es geht, persönlich zu erfahren. Wir spüren mit dem Kunden Themenwelten auf “, sagt Vörös. Danach setzen sie sich mit diesen Welten und der Identität des Raumes und der darin befindlichen Menschen auseinander. Zum nächsten Treffen kommen die beiden dann schon mit einer Fotomontage, damit sich die Kunden das Tattoo besser vorstellen können. Dann wird diskutiert und diskutiert, bis man sich schließlich auf ein Motiv einigt. Dieser Entwurf wird dann reingezeichnet und mit einem feinem Pinsel auf die Wand übertragen. Keine Nadeln. Völlige Schmerzfreiheit. Das Malen gleicht vielmehr einer Meditation, die der Wand schlussendlich sogar eine besondere Kraft verleihen soll.

Die Motive entstammen archaischen Sehnsüchten, mal ornamental, mal gegenständlich. Sie kommen aus der Mythologie, aber auch der Biologie. „Das sind Prinzipien, die jeder Mensch lesen kann.“Prinzipien haben die beiden auch auf einer anderer Ebene: Kein Wand-Tattoo gleicht dem anderen, es gibt ausschließlich Unikate. „Immer wieder werden wir gefragt, ob wir auch auf Holzrahmen oder einer Leinwand malen.“ Bewusst sagen die beiden Nein, sie wollen sich „dem Kunsthandel entziehen, einzigartig bleiben“. Mutig, denn derzeit können der Architekt und die Grafikdesignerin nicht ausschließlich von ihren Wandtattos leben. Alles Unikate. Dennoch hat die Sache auch ihren Preis: Mit 3000 Euro aufwärts ist zu rechnen – je nach Größe und Auftraggeber. Und während sich ein gewöhnliches Bild abhängen und mitnehmen lässt, kann ein Walltattoo nicht so leicht entfernt werden. Gut, überstreichen wäre eine Möglichkeit. „Aber wie bei der Tattooentfernung ist das sehr schmerzhaft“, wissen die beiden aus eigener Erfahrung. Erst kürzlich mussten sie ihre Wohnung und ihre Tattoos zurücklassen, weil sie umgezogen sind. Praktisch eine Kindesweglegung – ungewollt natürlich. „Therapeutischer Architekt hat man mich einmal beschimpft. Ich weiß es aber als
Kompliment aufzufassen. Als Architekt war es mir immer schon ein Bedürfnis, die verdeckten Wünsche des Menschen freizulegen, ohne mich von einem Gesellschaftskorsett beirren zu lassen“, erklärt Reichl seine Motivation. Während eines Kunstprojektes in Vietnam interessierte ihn, „das Wesentliche zu erkennen, ohne Worte zu verstehen.“ Ansonsten habe er ein Faible für „ausrangierte Fehlproduktionen“; er verwendet gerne Dinge für etwas anderes als sie gedacht waren. „Und aus Experimenten mit Farben und Materialien weiß ich deren Energien zu schätzen.“ Vernachlässigte Orte. Vörös und Reichl haben vor allem ein Faible für „vernachlässigte Orte“, wie sie sagen. Tiefgaragen, Krankenhäuser, Büroräume, die rationell funktionieren müssen, sind ihre Lieblingsplätze, an denen sie arbeiten. „Uns interessieren vor allem Räume, die nicht allzu sehr der Wirtschaft unterliegen“, erzählen sie. Neuestes Projekt ist eine Geburtenstation in Linz: „Ein wichtiger Ort, an dem ein Mensch das erste Mal das Licht der Welt erblickt.“ Die bekanntesten Tattoos der beiden schmücken übrigens das Kunsthallencafè am Karlsplatz und das Studio des Szene-Friseurs Erich in Wien, bei dem man bei der Kopfwäsche wohlgeformten Damen unter den Rock schauen darf. Selbst tragen die beiden kein Tattoo auf ihrer Haut. Kein Wunder. Sie denken in anderen Dimensionen. Ihr Traum: Ein ganzes Haus oder eine Büroturm tatöwieren. Oder um in der Sprache zu bleiben: Ein Ganzkörpertattoo für Bauwerke, da würden sie gerne den Pinsel anlegen.
Gewöhnliche Bilder kann man mitnehmen, Wand-Tattoos bleiben.
WWW.WALLTATTOO.AT, TEL: 0699/19669818